Lyrik von Maria Holschuh

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Der Apfelbaum

Das Rückgrat verbogen, die Arme verstümmelt,
so hält er dem Winde stand, der Alte.
Nur die Krone erinnert sich an reiche Ernten,
wenn die Früchte goldrot ins weiche Gras rollten.
Wie oft schmückte er sich mit rosa Blumensträußchen
sobald der Frühling blau über die Berge stieg.
Gerne lauschte er dem heimlichen Flüstern des Nachtwinds
und dem sehnsüchtigen Aufschluchzen der Nachtigall.
Am Morgen rannen Tautränen von den jungen Blättern
vor Glück über den endlos scheinenden Sommer.
Kleine Vogelkinder hat er schützend beherbergt in geflochtender Wiege
hilflos zugesehen, wie die Jungen keck davonflogen.
Nun duckt er sich in Regen und Nebel und friert,
doch eine Amsel flötet voller Zuversicht.

 

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